Welche Atmung nutze ich beim Singen?

Fragst du dich, was denn beim Singen überhaupt die richtige Atmung ist? Bauchatmung? Flankenatmung? Brustatmung? Dann lies unbedingt weiter und erfahre mehr über die Anatomie beim Singen!

Welche Atmung ist denn richtig?

Es gibt so viele verschiedene Techniken – könnte man meinen. Aber wenn wir ehrlich sind, gibt es einfach unglaublich viele verschiedene Ausdrücke für ein und die selbe Sache. Die drei Atmungen (Brust-, Flanken- und Bauch-/Zwerchfellatmung) hängen übrigens alle zusammen beim Singen. Und hier noch ein versteckter, rein logischer Hinweis: in den Bauch atmen geht anatomisch nicht. Die Lungen sind in der Brust, sprich wir atmen immer in die Lungen ein. Also könnte man meinen, wir nutzen beim Singen die Brustatmung. Ganz so richtig ist das allerdings nicht. ACHTUNG! Jetzt musst du gut aufpassen!

Was anatomisch passiert, wenn wir ganz normal atmen: 

  1. Wir saugen Luft durch die Nase oder den Mund ein (vorzugsweise durch die Nase).
  2. Die Luft füllt unsere Lungenflügel. Diese dehnen sich dadurch aus.
  3. Durch die Ausdehnung der Lungenflügel, dehnen sich auch unsere Flanken aus (ca. 2 Handflächenbreiten unterhalb der Achseln)
  4. Ebenso kontrahiert unser Zwerchfell (Kontraktion = senken/heben) nach unten, sprich unser Bauch dehnt sich aus.
  5. Wir atmen aus: Das Zwerchfell hebt sich wieder (Bauch fällt in Ausgangsposition zurück), die Reste der Luft wird wieder aus den Lungen gepresst und durch die Luftröhre zum Mund oder zur Nase in die Welt gelassen. Dabei fallen natürlich auch unsere Flanken zurück in die Ursprungsposition.

Ein tolles Video, das diesen Vorgang super veranschaulicht, findest du hier.

Wenn von der Bauchatmung/Zwerchfellatmung die Rede ist, geht es darum, dass das Zwerchfell der Motor des Atmens ist und ein wichtiger Muskel für unsere gesangliche Stütze (du spürst es sehr gut, wenn du Konsonanten wie P, K, T, S, Z, G,…tonlos aussprichst oder wenn du hächelst). Hier geht es um die Vorstellung des tiefen Einatmens, in dem man die Luft  gedanklich versucht bis in den Bauch strömen zu lassen (was anatomisch natürlich nicht möglich ist). Aber es kann durchaus helfen, um sich mit dem Körper zu verbinden und unser Hauptatemmuskel, das Zwerchfell, besser spüren zu lernen. Beim Singen ist das sehr wichtig, dass du deinen Körper spürst und richtig wahrnehmen kannst.

Spricht man von der Brustatmung (besonders beim Sport, wenn du schnell und regelmässig Luft brauchst), redet man von einer oberflächlichen Atmung, bei der man den Fokus mehr darauf legt, dass der Körper schnell mit Atem versorgt wird. Dabei atmen wir nicht sehr tief ein, sondern wie bereits geschrieben, eher oberflächlich. Also weniger Luft, dafür viel öfters. Logischerweise dehnt sich die Lunge nicht voll umfänglich aus, wenn sie nicht komplett mit Luft gefüllt ist.  Daher spüren wir auch nicht so eine intensive Spannung in Zwerchfell und Flanken. Diese Atmung braucht man weniger beim Singen, es sei dann, man benötigt unbedingt ganz schnell Luft und man hat kaum Zeit zum Atmen zwischen den Phrasen. Oder du hast eine Stelle, in der du belten willst. Aber auch hier wird die Atmung mit der Flanken- oder Zwerchfellatmung kombiniert.

Wenn von der Flankenatmung die Rede ist, liegt die Konzentration auf den Flanken. Du atmest ein und arbeitest mit den Flanken und deren Festigkeit. Du steuerst dein Stützapparat über diesen Zugang. Es ist nämlich möglich, wenn du einatmest, selbst zu steuern, wie schnell du die Flanken fallen lassen möchtest. Automatisch presst du mehr oder weniger Luft aus deiner Lunge wieder nach draussen. Wenn du beispielsweise die Luft anhältst, bleiben sie fest und ausgedehnt, bis du wieder ausatmest. Das kann man auch beim Singen steuern.

Aber egal, welche Art von Atmung du bedienst: Die anatomischen Gegebenheiten bleiben immer die Selben. Das heisst, bei jeder Atmung spielen Lungen, Flanken und Zwerchfell eine grosse Rolle und funktionieren zusammen. 

Lass dich nicht verwirren, weil nicht alle Gesangslehrer und Gesangsexperten von der selben Atmung sprechen. Im Grunde ist es ein und das Selbe. Der einzige Unterschied ist die eigene Perspektive, die fokussiert wird. Finde selbst raus, welcher Zugang für dich am Besten funktioniert. 😀 

Viel Spass!

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